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[so far so good- so weit so gut]
Als bildende Künstlerin ist man neben der eigenen künstlerischen Arbeit ständig im Austausch und Gespräch mit anderen KünstlerInnnen. Dieser Erfahrungsaustausch dient nicht nur der eigenen Standortbestimmung, sondern vor allem dem Weiterdenken und Diskutieren von eigenen Ansätzen und Fragestellungen. Künstler arbeiten weitestgehend allein und isoliert, dennoch wird der Teamgedanke und das Aufbauen von Netzwerken immer wieder diskutiert und auch versuchsweise umgesetzt.
Auf der Suche nach funktionierenden Netzwerken und Kontakten habe ich mich für eine Arbeitsweise des >unterwegs Seins< entschieden, indem ich für 1 ½ Jahre den festen Wohn- und Arbeitsplatz gegen ein Nomadenleben tausche und in verschiedenen Orten und Ländern unterwegs bin.
Ich erhoffe mir aus dieser Arbeitsweise bleibende Kontakte mit einzelnen Künstlern, die Anregung von Austauschbeziehungen und vor allem erweiterte Perspektiven für mein eigenes künstlerisches Schaffen.
Ausgangspunkt meiner Arbeit unterwegs ist eine Zelt-Installation, die ich selbst entworfen, konstruiert und aus Fallschirmseide genäht habe.
Das Zelt ist seit Jahrhunderten die einfachste Form einer Unterkunft oder eines Hauses. Es ist mobil, das heißt es kann an unterschiedlichsten Orten immer wieder auf– und abgebaut werden, und so jederzeit einen Ort schaffen, in dem Begegnung möglich wird. Ein Zelt thematisiert darüber hinaus das unterwegs sein an sich und wirft Fragen der Zugehörigkeit und Identität auf.
Die Zelt-Installation selbst ist aus Fallschirm-Seide, einem zarten und labilem Werkstoff, der selbst keine eigene Form eingeht. Erst durch den Träger, hier die Konstruktion aus Bambusstangen und Aluminiumverbindungen wird dem Stoff eine Form gegeben und das Zelt zum Stehen gebracht. Dieses Paradoxon des Unförmigen und Labilen aber gleichzeitig Stabilen und Räumlichen erzeugt in dieser Arbeit ein ganz eigenes Spannungsfeld, das es auszuloten gilt.
Die weißen Zeltwände werden von mir als eine Art Skizzenbuch verwendet und werden im Laufe der Monate bestickt.
Sticken ist eine Jahrhunderte alte Tradition des Verzierens und Schmückens aber auch des Kennzeichnens und Markierens. Für Frauen war es bis Mitte des 19. Jahrhunderts die einzige Möglichkeit der bildlichen Darstellung, bevor sie Zugang und Anerkennung im patriarchalischen Kunstsystem erhielten. Mich interessiert am Sticken vor allem der Prozess des Durchdringens, der eine Permeabilität des Stoffes erzeugt. Der Faden verläuft auf beiden Seiten, das heißt, es gibt kein Innen and Außen, kein hinten und vorn. Die Faszination für das Sticken entstand aus der Möglichkeit mit dem Faden eine Fläche zu bilden oder in die Dreidimensionalität überzugehen, indem der Faden wie ein Zeichenstift verwendet und der Stoff zur dreidimensionalen Bildfläche wird.
Die Zelt- Installation wird über die kommenden 15 Monate als „work in progress“ zu sehen sein. Die vorläufigen Stationen des Projektes sind:
Dresden/ Deutschland Budapest/ Ungarn Istanbul/ Türkei
Teheran/ Iran Bombay/ Indien Melbourne/ Australien
Singapore Jakarta / Indonesien Hanoi/ Vietnam
Peking/ China
Durch Kontakte und Zusammenarbeit mit Künstlergruppen oder Non Profit Art Spaces möchte ich jeweils zu einem Treffen/ Event einladen, und das Projekt, die Materialien und Arbeiten vorstellen. Meine eigenen Ansatzpunkte werde ich dabei durch die Arbeiten von zwei weiteren KünstlerInnen aus Deutschland ergänzen, deren Arbeitsweisen ich seit längerer Zeit gut kenne und verfolge: Heide Hinrichs und Martin Held.
Wenn sich im jeweiligen Gastland Kontakte ergeben, wird sich durch ein Interview mit einer/m KünstlerIn die Präsentation um eine neue Perspektive erweitern. Dadurch wird in jedem Land das Material verändert und in Zusammenarbeit mit einem dort ansässigen Künstler erweitert.
Geleitet von ganz persönlichen Fragestellungen möchte ich mit diesem Projekt Antworten und Erfahrungen verschiedener KünstlerInnen sammeln, bündeln und der Öffentlichkeit vorstellen.
Über den Verlauf des Projektes werde ich unter project news berichten.
Nadin Reschke Kindlimann
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Dieses Projekt wird unterstützt von der Kunsthochschule Dresden und ist Teil des STAFETA Projektes im KunstHaus Dresden.
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